Ziele
  • Empowern der TN‘s
  • Lösungsansätze für schwierige Situationen finden
  • Ausprobieren im geschützten Raum
  • Wie hätte ich bei vergangen bzw. wie könnte ich bei zukünftigen Situationen handeln?
  • Welche Personen und welche Muster gibt es in einer Situation?
Zeit

45 – 120 Minuten

Material
  • Tische, Stühle
  • evtl. Requisiten
Ablauf

Eine Methode, die Erfahrung voraussetzt und mehr Zeit als die anderen beiden Methoden verlangt, aber auch viele Möglichkeiten bietet, ist das Rollenspiel. Sie funktioniert aber nur, wenn die Teilnehmer*innen motiviert sind. Bevor eigene Szenen erarbeitet werden, sollte diese Methode erst mit den Szenen, die vorher in den Gruppen mit den Filmausschnitten behandelt wurden, arbeiten. Ansonsten gilt folgender Ablauf.

a) in einer kleinen Gruppe (1 Stunde)

In dieser Übung wird mit den Teilnehmer*innen eine moderierte szenische Erprobung von Handlungsmöglichkeiten durchgeführt, bei der Elemente des Forumtheaters verwendet werden. Wenn Sie nur wenige Teilnehmer*innen haben, lohnt es sich nicht, die Gruppe aufzuteilen. Um dennoch diese Übung durchführen zu können, bietet es sich an, eine klassische Situation aus dem Alltag (Familienfeier, Kneipenbesuch etc.) darzustellen. Dabei übernimmt ein*e Teamer*in die Rolle des*der rechten Provokateur*in. Die Teilnehmer*innen sollen gegen sie argumentieren und einschreiten. Der*Die zweite Teamer*in moderiert die Übung.

Ablauf:

  1. Erklärung der Methode im Plenum.
  2. Übung „Maleranzug anziehen“: In den Gesprächen werden die Teilnehmer*innen Aussagen und Parolen äußern, die nicht ihrer politischen Einstellung entsprechen. Sie schlüpfen quasi in eine Rolle. Um dies deutlich zu machen, ziehen sich alle Teilnehmer*innen vor Beginn der Übung symbolisch einen Maleranzug an, der am Ende der Übung auch wieder ausgezogen wird.
  3. Festlegen der Situation, in der man sich befindet (Szenen aus dem Film).
  4. Ein*e Teamer*in übernimmt die Rolle des*der Provokateur*in, der*die andere Teamer*in moderiert die Situation.
  5. Alle begeben sich in ihre Rollen, fangen an die Szene zu spielen, und die Teilnehmer*innen versuchen gegen den*die Provokateur*in zu argumentieren, aktiv zu werden. Nach einiger Zeit unterbricht der*die Moderator*in die Szene. Der*Die Moderator*in befragt die aktiv gewordenen Teilnehmer*innen, wie sie sich gefühlt haben, warum sie so reagiert haben, ob sie finden, dass sie ihr Ziel damit erreicht haben.
  6. Die Teilnehmer*innen besprechen, wie man noch reagieren könnte, und überlegen gemeinsam alternative Handlungsmöglichkeiten.
  7. Die Szene wird erneut gespielt, anschließend werden die Teilnehmer*innen erneut gefragt.
  8. Wenn noch Zeit ist und Lust oder Ideen vorhanden sind, kann die Szene erneut gespielt werden, ggf. kann auch eine zweite Szene gespielt werden.
  9. Der Maleranzug wird wieder ausgezogen.

b) in einer großen Gruppe (1 ½ Stunden)

Vorab: Wir haben immer wieder Rückfragen zu dieser Übung bekommen und haben daher versucht, die Erfahrungen, die wir in den letzten Seminaren gemacht haben, in einem möglichst detaillierten Leitfaden zu verschriftlichen. Dieser soll bei der Umsetzung der Übung helfen und unterstützen, muss aber natürlich nicht bis ins Detail so angewandt werden.

In dieser Übung wird mit den Teilnehmer*innen eine moderierte szenische Erprobung von Handlungsmöglichkeiten durchgeführt, bei der Elemente des Forumtheaters verwendet werden. Diese Übung macht nur mit einer größeren Gruppe (mindestens 12 Personen) Sinn. Ansonsten sollte lieber eine der anderen Methoden angewandt werden. Die Gruppe wird in zwei kleine Gruppen aufgeteilt. Jede Kleingruppe stellt eine Originalszene nach, in der niemand etwas gegen rassistische oder rechte Provokationen unternimmt, erarbeitet sich gemeinsam Handlungsmöglichkeiten und eine Lösungsszene. Anschließend spielt sie die Originalszene der anderen Gruppe vor. Die anderen Teilnehmer*innen können dann improvisationsmäßig in eine der Rollen schlüpfen (die „Darsteller*in“ auswechseln), einschreiten und intervenieren. Zum Schluss wird noch die Lösungsszene vorgespielt.

Grober Ablauf:

  1. Gruppen aufteilen
  2. Kleingruppenphase (40 Minuten)
    1. Darstellen der Originalszene, ohne Widerspruch
    2. Diskussion über Handlungsmöglichkeiten
    3. Darstellen der Lösungsszene
  3. Zusammenkommen mit allen Teilnehmer*innen (15 Minuten pro Gruppe)
    1. Die erste Gruppe spielt ihre Originalszene vor
    2. Die erste Gruppe spielt ihre Originalszene erneut, Leute aus dem Publikum schreiten ein
    3. Feedback und Auswertung der Intervention
    4. Die erste Gruppe spielt ihre Lösungsszene vor
    5. Das gleiche mit der zweiten Gruppe wiederholen

Sehr detaillierter Ablauf:

  1. Die Methode wird im Plenum kurz erklärt. Dabei ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Rollen der rassistischen Provokateur*innen nicht ausgetauscht werden darf. (Es geht nicht darum, wer der beste Nazi ist). Detailfragen können in den Kleingruppen gestellt werden. Meistens beantworten sie sich im Laufe der Übung.
  2. Die Gruppe wird in zwei Kleingruppen aufgeteilt und verteilt sich auf zwei Räume.
  3. Übung „Maleranzug anziehen“: In den Gesprächen werden die Teilnehmer*innen Aussagen und Parolen äußern, die nicht ihrer politischen Einstellung entsprechen. Sie schlüpfen quasi in eine Rolle. Um dies deutlich zu machen, ziehen sich alle Teilnehmer*innen vor Beginn der Übung symbolisch einen Maleranzug an, der am Ende der Übung auch wieder ausgezogen wird.
  1. In der Gruppe wird eine Originalszene und eine Lösungsszene erarbeitet (40 Minuten)
  • Zuerst fragen Sie die Teilnehmer*innen, ob sie eine Begebenheit, die sie erlebt haben, schildern wollen, damit diese als Szene genutzt werden kann. Dabei sollten Sie auf folgendes achten:
      • Gibt es genug Personen in der Situation, damit verschiedene Personen agieren können (ein Gespräch unter vier Augen mit einem*einer Freund*in mag zwar oft so passieren, gibt aber kaum Handlungsmöglichkeiten).
      • Szenen, in denen Verschwörungstheoretiker*innen vorkommen, eignen sich nicht zum Nachstellen (viel zu wirr). 
      • Wenn niemand schnell einen guten Vorschlag hat, dann schlagen Sie vor, eine Beispielszene zu nehmen. Es sollte nicht an einer ungeeigneten Szene herumgedoktert werden, bis diese passt. Dabei geht zu viel Zeit drauf.
  • Motivieren Sie die Teilnehmer*innen, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen. Suchen Sie gegebenenfalls Requisiten und erklären Sie die Rollen. Beschreiben Sie die Beispielszene möglichst detailliert, damit jede*r weiß, in was für einer Situation er*sie sich befindet
  •  Die Originalszene sollte einmal nachgespielt werden. In der Originalszene greift niemand bei rassistischen Beleidigungen ein.
  • In der Gruppe werden Handlungsmöglichkeiten überlegt, die man in solch einer Situation hat. Stellen Sie der Gruppe folgende Leitfragen:
    • Wie könnt ihr in so einer Situation agieren?
    • Wie könnt ihr Betroffene am besten direkt unterstützen oder ansprechen, euch mit ihnen solidarisieren ohne den*die Held*in zu spielen?
    • Wie könnt ihr andere motivieren, sich ebenfalls zu positionieren und einzugreifen?

Mögliche Probleme: In einigen Szenen, die als Beispielszenen dienen, werden auch Menschen mit Migrationshintergrund bzw. Betroffene von Diskriminierung gespielt. Allerdings spielen sie in diesen Szenen immer nur eine passive Rolle und agieren nicht selbst. Hier kann Kritik aufkommen, dass dadurch den Betroffenen die Fähigkeit selbst zu Handeln und Einzuschreiten abgesprochen wird. Dies ist definitiv nicht der Fall. Machen Sie sich selbst bitte einmal dieser Problematik bewusst. Sollte dieser Punkt von Teilnehmer*innen angesprochen werden, erklären Sie ihnen, dass das nicht die Absicht ist, sondern, dass es in diesem Seminar und mit dieser Übung gerade darum geht zu zeigen, wie man als Außenstehende*r in eine Situation eingreifen und agieren kann. Dieser Übungseffekt würde nicht auftreten, wenn es die Betroffenen sind, die sich selbst in dieser Situation gegen den*die rechte*n Provokateur*in wehren. Bitten Sie um Verständnis dafür.

  • Die Lösungsszene wird eingeübt.

Ergebnis: Am Ende der 40 Minuten sollte jede Kleingruppe zwei Szenen, eine Originalszene und eine Lösungsszene, erarbeitet haben.

  1. Vorspielen der Szene vor der ganzen Gruppe (15 Minuten pro Gruppe):
  • Die Darsteller*innen der ersten Gruppe nehmen die Anfangsposition für die Szene ein.
  • Der*Die Teamer*in der ersten Gruppe beschreibt die Szene und stellt die involvierten Personen vor. Insbesondere macht er*sie deutlich, wer die rechten Provokateur*innen und die Betroffenen sind, da sie nicht ausgetauscht werden können. Auch zeigt sie, welche Darsteller*innen im Rahmen der Improvisationsmöglichkeiten ausgetauscht werden können.
  • Die Gruppe spielt die Originalszene vor.
  • Der*Die Teamer*in fordert das Publikum auf, in der nächsten Runde, wenn erneut die Originalszene vorgespielt wird, selbst einzuschreiten, eine Rolle zu übernehmen und so Lösungsvorschläge und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Geben Sie den Teilnehmer*innen ein paar Minuten Zeit, damit sie sich selbst Handlungsmöglichkeiten überlegen können. Machen Sie ggf. nochmals deutlich, welche Rollen übernommen werden können. Erklären Sie den Teilnehmer*innen, dass sie laut klatschen sollen, wenn sie in die Szene hineingehen wollen: Dann friert die Szene kurz ein, der*die Zuschauer*in tauscht eine*n Darsteller*in aus und die Szene wird weitergespielt.
  • Die Originalszene wird von Anfang an gespielt. Höchstwahrscheinlich klatscht eine Person aus dem Publikum. Der*Die Moderator*in sorgt dafür, dass die Szene einfriert. Die Person aus dem Publikum tauscht eine*n Darsteller*in aus, nimmt ihren*seinen Platz ein. Anschließend wird die Szene weitergespielt und die Person, die neu hinzugekommen ist, kann ihren Handlungsvorschlag vorspielen. Nach einiger Zeit stoppt der*die Moderator*in das Rollenspiel.

Problem: Wenn niemand einschreitet, sollte die Szene nach einiger Zeit unterbrochen und mit dem Publikum gemeinsam nach Handlungsmöglichkeiten gesucht werden.

  • Feedback: Der*Die Moderator*in befragt die Darsteller*innen:
    • Zuerst die Person, die neu hinzugekommen ist: Was hast du dir bei deiner Intervention gedacht? Warum bist du an dieser Stelle eingeschritten? Glaubst du, dass du dein Ziel mit der Intervention erreicht hast?
    • Dann die Betroffene: Wie hat sich für dich die Situation verändert?
    • Dann die Provokateur*innen: Wie hat sich die Situation für dich verändert?
    • Gerne auch noch die anderen Teilnehmer*innen befragen, wie es auf sie als Außenstehende und als Beteiligte gewirkt hat.
  • Wenn noch genug Zeit vorhanden ist, kann die Szene nochmals gespielt werden, um weitere Rollen auszutauschen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
  • Die Gruppe spielt zum Abschluss ihre Lösungsszene vor.
  • Anschließend ist die zweite Gruppe dran.
  1. Der Maleranzug wird wieder ausgezogen.
  1. Die restliche Zeit sollte für ein kurzes Feedback in der großen Runde genutzt werden.