Zeit

ca. 90 minuten

Beschreibung

Das Modul „Wir, ihr, ich“ thematisiert Gruppenzugehörigkeiten sowie die Wirkung der von der Gesellschaft abgewerteten Minderheits- und den aufgewerteten Mehrheitsgruppen. Es wird deutlich, dass Menschen, die einer sogenannten Mehrheitsgruppe oder auch der Mehrheitsgesellschaft angehören, mehr Macht innehaben. Außerdem verstehen die Teilnehmenden, dass man sich mehreren Gruppen zugehörig fühlen kann.

Die erste Übung „Ich/Ich nicht“ wird als Kennenlernspiel eingeführt. Die zwei Seiten des Raums werden mit „Ich“ und „Ich nicht“ markiert. Es werden Fragen vorgelesen und die Teilnehmenden müssen sich entsprechend positionieren. Die Möglichkeit, sich zwischen den beiden Seiten zu verorten, ist nicht gegeben, aber Lügen ist erlaubt. Die Fragen konzentrieren sich auf persönliche Erfahrungen und Einschätzungen und müssen je nach Altersgruppe und Zielgruppe neu- oder umformuliert werden. „Wer hat die Staatsangehörigkeit des Landes, in dem er oder sie lebt?“ oder „Wer hat gelernt, ein Instrument zu spielen?“ sind beispielhafte Fragen. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, auch selber Fragen zu stellen. In der Auswertung geht es insbesondere darum, wie es sich angefühlt hat, einer großen Gruppe anzugehören, und wie es war, alleine auf einer Seite zu stehen. Außerdem kann die Frage diskutiert werden, welche Zugehörigkeiten eine größere Bedeutung haben als andere. Die Antworten selber spielen keine übergeordnete Rolle. Die Übung setzt eine Vertrauensbasis voraus, den Teilnehmenden sollte die Möglichkeit gegeben werden, eine Frage nicht zu beantworten oder auszusteigen.

Bei der Übung  „Bergdorf“ gehen zwei bis drei Teilnehmende vor die Tür. Die restlichen Teilnehmenden bilden ein Bergdorf und beginnen, über ein Thema zu diskutieren. Drei Kernbegriffe werden durch andere Worte ersetzt. Wenn die Diskussion begonnen hat, werden die drei wartenden Teilnehmenden hereingeholt. Es wird versucht, diese in die Diskussion miteinzubeziehen, was aber schwer fällt. In der Reflexion gilt es schließlich zu hinterfragen, wie sich beide Gruppen gefühlt haben und weshalb das Einbeziehen nicht oder kaum gelang.

Die dritte Übung des Moduls, das „Meinungsbarometer“, macht Unterschiede innerhalb einer Gruppe sichtbar und bestärkt darin, die eigene Haltung zu überdenken, Argumente anderer anzunehmen und die Empathiefähigkeit zu stärken. Ähnlich wie bei „Ich/Ich nicht“ werden Fragen bzw. Statements vorgelesen. Die Teilnehmenden überlegen sich, zu wie viel Prozent sie zustimmen und positionieren sich entsprechend im Raum. Die Positionen werden freiwillig begründet, ggf. kann danach eine Umstellung erfolgen. Die Fragen können thematisch verknüpft werden: So kann zum Beispiel eine Religion, wie der Islam, oder eine Weltanschauung diskutiert werden. Die Statements sollten der Gruppe angepasst werden. Ein mögliches Statement ist: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Vor der Durchführung muss kritisch überlegt werden, wie kontrovers die vorgelesenen Statements sein sollen und inwiefern eine Reflexion mit der Gruppe möglich ist.

Bei der „Trauminsel“ erhalten alle Teilnehmenden zunächst die Aufgabe, ihre Trauminsel auf ein Blatt Papier zu malen. Anschließend sollen alle Ergebnisse auf einen größeren Papierbogen geklebt werden. Dieser ist allerdings zu klein, weshalb die Teilnehmenden die Aufgabe erhalten, ihre Inseln durch Falten zu verkleinern, damit alle auf den Bogen passen. Es können auch zwei Gruppen gebildet werden. Dann wäre der dritte Schritt, dass beide Gruppen ihr jeweiliges Werk verkleinern müssen, um wiederum ein Gesamtwerk zu erhalten. Bei der Auswertung wird ein Fokus auf die Emotionen und den Einigungsprozess gelegt sowie die Verantwortung der Teilnehmenden für den Verlauf analysiert. Hinsichtlich der Übertragbarkeit auf den Alltag geht es um das Gefühl, an Entscheidungen beteiligt oder nicht beteiligt zu sein, und um den Frust, den man erlebt, wenn man Träume aufgeben muss.

Zum Abschluss werden noch einmal die Ergebnisse aus allen Übungen des Moduls in einen Zusammenhang gebracht und diskutiert.

Übungen und Methoden