Sobald von Rassismus die Rede ist, wird zuerst an Hautfarbe, Aussehen und Abstammung gedacht. Äußerliche Merkmale reichen aus, um als „Rasse“ kategorisiert und ausgegrenzt zu werden. Wissenschaftlich ist zwar widerlegt, dass es so etwas wie „Menschenrassen“ gibt, trotzdem sind der Begriff und die damit verbundenen Vorstellungen weit verbreitet.

 

Wie sich Rassismus heute darstellt

Rassismus äußert sich in einem System von Ungleichwertigkeiten. Es unterstellt „natürliche“ Unterschiede zwischen Menschengruppen. In Deutschland zeigt sich diese Ungleichheit vor allem zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten, sie kann sich aber auch in abwertenden Meinungen finden, die Angehörige von Minderheiten gegenüber anderen Minderheiten äußern. Gegenwärtig bezieht sich Rassismus dabei vor allem auf kulturelle Unterschiede. Minderheiten werden negative Eigenschaften aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Kultur zugeschrieben. Gleichzeitig wandelt sich die rassistische Rhetorik. Denn extremistische Gruppierungen sprechen immer seltener von „Rassen“, sondern vermehrt von kultureller Identität, Ethnie, Volk oder Nation.

 

Wie lassen sich Ungleichwertigkeiten aufzeigen?

Verhältnisse, die Ungleichwertigkeiten begünstigen, sind den Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft oftmals nicht bewusst. Ungleichwertigkeiten zu verhindern, ist in der heutigen Gesellschaft ein wichtiges Anliegen, kann aber auf Widerstand stoßen. Denn mit diesem Anliegen wird die Frage nach den Machtverhältnissen aufgeworfen: nach der eigenen Positionierung in der Gesellschaft und der Position der anderen. Deshalb geht es in der aktuellen Debatte nicht nur um das Hinterfragen von gruppenbezogenen Vorurteilen, sondern auch um die Strukturen, die gesellschaftliche Gruppen privilegieren oder benachteiligen.

 

Wenn Jugendliche Rassismus erfahren

Für Jugendliche, die Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen machen, sind diese Debatten wichtig. Sie geben ihnen die Möglichkeit, sich mit ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen und Handlungsmöglichkeiten zu erproben. Hierzu gehören pädagogische Angebote, die Jugendlichen Raum geben, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Rassismus sichtbar zu machen und sich gegen Diskriminierung zu engagieren, ist das Ziel solcher Angebote.

 

Sozialer Rückzug als Angebot extremistischer Gruppen

Auch islamistische Gruppierungen greifen Rassismuserfahrungen von Jugendlichen auf. Islamistische Angebote zielen jedoch nicht darauf ab, Jugendliche zu motivieren, sich gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und antimuslimischen Rassismus zu engagieren. Stattdessen werden sie dazu angeregt, sich von der Gesellschaft abzuwenden und – im äußersten Fall – sich gegen sie zu positionieren.


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