RISE: Prof. Dr. Christine Horz-Ishak, der Begriff „reziproke Effekte“ beschreibt den Einfluss von Medien auf diejenigen, über die sie berichten. Dem „Hostile-Media“-Wahrnehmungsphänomen nach werden kritische Mediendarstellungen einer Gruppe von in dem Beitrag thematisierten Personen negativer wahrgenommen, als sie es vielleicht ohnehin sind. Wenn Minderheiten demnach das Gefühl haben, dass über sie negativ berichtet wird, kann dies durchaus an ihrer Wahrnehmung liegen. Beide Ansätze beschreiben, wie die Berichterstattung auf Rezipient*innen wirkt, und werden in dem auch auf RISE veröffentlichten Text „Diskriminierung durch Medien“ von Philipp Baugut am Beispiel von Muslim*innen in Deutschland näher beleuchtet. Gleichzeitig belegen verschiedene Studien aber, dass die Medienberichterstattung über Muslim*innen tatsächlich tendenziell negativ ist. Laut der Studie „Muslime in der Mehrheitsgesellschaft: Medienbild und Alltagserfahrungen in Deutschland“ vom Sachverständigenrat für Integration und Migration zum Beispiel nehmen Menschen mit und ohne Migrationsbezug die Medienberichterstattung über Muslim*innen in etwa gleichermaßen negativ wahr. Ein Hostile-Media-Effekt kann nicht beobachtet werden. Heute würden wir deshalb gerne den Blick von den Rezipient*innen hin zu den Produzent*innen von journalistischen Inhalten lenken. Können Sie uns erklären, warum die Berichterstattung über Muslim*innen oder Menschen, die als muslimisch gelesen werden, tendenziell negativ ist?

Christine Horz-Ishak

Redaktionen sind sich der Diskriminierung, des Rassismus und der Gender-Ungleichheit bewusster als noch vor wenigen Jahren. Dennoch fehlt mitunter die Reflexionsfähigkeit für die eigene Themenselektion und -priorisierung, ihr Agenda Setting, im Konzert der Gesamtberichterstattung der News Medien. Vor allem über das Second-Level-Agenda-Setting, den Deutungsrahmen oder Frame , wird im Journalismus nach wie vor zu wenig nachgedacht und diskutiert.

 

Was ist genau unter einem Frame zu verstehen?

Christine Horz-Ishak

Ein Frame entsteht dann, wenn Medientexte eine spezielle Problemdefinition, Kausalzusammenhänge, moralische Bewertungen und Lösungswege zu einem Thema anbieten. Die Eigenlogik des Journalismus führt dazu, dass über Negativereignisse bevorzugt berichtet wird. Hinzu kommt die Krisenberichterstattung über die Herkunftsländer von deutschen Muslim*innen mit Migrationsgeschichte oder Geflüchteten. Analysen belegen: Islam- und Migrationsberichterstattung ist überwiegend selektiv, ereigniszentriert, konflikthaft und themenarm.

 

Welche Auswirkungen kann die negative Berichterstattung auf Rezipient*innen haben?

Christine Horz-Ishak

Die kommunikationswissenschaftliche Framingforschung geht von Langzeiteffekten aus, die entstehen können, wenn Rezipient*innen immer wieder ähnliche Themen und Bilder präsentiert bekommen, weil Frames Interpretationsangebote gleich mitliefern. Im Effekt wird dann z.B. Fluchtmigration fast selbstverständlich mit so unterschiedlichen Themen wie innerer Sicherheit, islamistischem Terror oder sexualisierter Gewalt in Verbindung gebracht.

Medien treten folglich nicht nur als Beobachter der gesellschaftlichen und politischen Realität auf, sondern sind auch Akteure, die ein vermeintlich soziales „Problem“ mitgestalten – und letztlich auf diese Weise Minderheiten diskriminieren und Angst und Abwehr in der Mehrheitsbevölkerung provozieren.

Die deutsche Medienlandschaft ist sehr pluralistisch. Beobachten Sie einen unterschiedlichen Umgang mit diskriminierenden Inhalten?

Christine Horz-Ishak

Weder kommerzielle Medien wie Presse und Privatsender noch öffentlich-rechtliche Medien richten genügend und differenziert genug ihr Augenmerk auf die Frage, wie mit diskriminierenden Inhalten umzugehen wäre.

Bei ARD und ZDF hat zumindest ein Bewusstseinswandel stattgefunden, dass problematische Inhalte vorhanden sind und dass auch das eigene Haus eine gewisse Verantwortung dafür trägt. Dem gestiegenen Bewusstsein für diskriminierende Medieninhalte stehen aber noch kaum Maßnahmen gegenüber, diesen zu begegnen. Es fehlt durchgängig an nachhaltigen Diversitätsstrategien.

 

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Christine Horz-Ishak

Ein Beispiel ist die WDR-Talksendung „Die letzte Instanz“[1], in der ausschließlich Vertreter*innen der Mehrheitsgesellschaft herablassend über Sinti*zze und Rom*nja gesprochen haben – und das, obwohl der WDR als Vorreiter in Sachen Antidiskriminierung und Vielfalt gilt. Wie auch der SWR hat der Sender seit über zwei Jahrzehnten die Stelle einer Integrationsbeauftragten eingerichtet. Sie organisiert u.a. Workshops mit den Redaktionen zum Thema, um Journalist*innen zur Berichterstattung über die (post-)migrantische Gesellschaft zu befähigen. Die Angebote der etablierten Massenmedien sprechen nämlich im Allgemeinen nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen an, die der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören. Menschen mit Diskriminierungserfahrungen und/oder Mehrfachidentitäten fühlen sich in den klassischen Medien häufig nicht vertreten, weil es eine Marginalisierung bzw. Dethematisierung (post-)migrantischer Lebensrealitäten in diesen Medien gibt.

Mindestens ebenso wichtig, wie auf die Medienhäuser zu schauen, ist es deshalb zu erfahren, wie Betroffene öffentlich auf diskriminierende Berichterstattungsmuster reagieren und welche Medien sie dafür nutzen. Denn längst gibt es eigene innovative Medienangebote, die von postmigrantischen Communitys selbst erschaffen sind.

Diese Agency kann dazu beitragen, fehlende Perspektiven im öffentlichen Diskurs zu ergänzen und auf Rassismus und Diskriminierung aufmerksam zu machen. So geschehen in dem Video „Die beste Instanz“, produziert von Enissa Amani, die dafür den Grimme Online Award erhielt. „Die beste Instanz“ ging viral und wurde allein bei YouTube über 615.900-mal angeklickt[2]. In der Sendung kamen sechs Interviewgäste zu Wort, die sich als Teil einer pluralistischen Gesellschaft betrachten und somit ihre Rassismuserfahrungen und die Sicht der Betroffenen auf die WDR-Sendung teilten.

 

Welche Rolle spielt die politische Einstellung der Verantwortlichen dabei?

Christine Horz-Ishak

Inwiefern die politische Einstellung der Journalist*innen und Redakteur*innen zu diskriminierender Berichterstattung führt, lässt sich nicht abschließend beantworten. Zumindest die vielzitierten Vorurteile der Journalist*innen rechts der Mitte, dass Journalist*innen, die links der Mitte stünden[3], ihre politische Einstellung in ihre Berichterstattung schreiben, kann nicht bestätigt werden. Studien zur Islam- und Migrationsberichterstattung belegen, dass Journalist*innen nicht unbedingt zugunsten von Migrant*innen und Geflüchteten berichten, obwohl sie eventuell dem „links-grünen“ Milieu zugeordnet werden können.

Es wäre aber zu einfach, im Umkehrschluss anzunehmen, dass Journalist*innen per se rassistisch seien. Die Ursachen für diskriminierende Berichterstattungsmuster liegen in der politischen Großwetterlage, in Systemzwängen des Journalismus und in der individuellen Sozialisation begründet. Die meist durch Mittelschichtsbiografien gegangenen (mehrheitlich weißen, deutsch-stämmigen, männlichen) Journalisten wurden durch spezifische Werthaltungen geprägt. Diese führen zu bestimmten Erwartungen und Annahmen über die Welt. Winfried Schulz, Harald Berens und Reimar Zeh konnten bereits 1998 belegen, dass sich Gewalterwartungen von Journalist*innen in ihren Beiträgen widerspiegeln und in Berichtswellen und Medienthemen manifestieren[4].

Zudem fehlt häufig das Wissen über Migration, weil die Sozialisation damit wenig Berührungspunkte bietet. In den Redaktionen, die (aufgrund des Mangels an Daten) mit geschätzt höchstens 4–10% Journalist*innen mit Migrationsgeschichte besetzt sind, verschärft sich das Problem. Denn jede*r Vierte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund , ganz zu schweigen von anderen Mehrfachidentitäten. Die Chefredaktionen sind aber überwiegend „weiß“ – nur 6,4% in den reichweitenstärksten Medien haben einen Migrationshintergrund, zudem mit Bezug zu den europäischen Nachbarländern. Dies geht aus dem Bericht der Neuen deutschen Medienmacher „Viel Wille, kein Weg. Diversity im deutschen Journalismus“ hervor. [5]

Einen weiteren Aspekt hebt der ZEIT-Journalist Mohamed Amjahid hervor, nämlich die mangelnde Sensibilität für die eigenen Privilegien der meist weißen, männlichen Journalisten, die im Berufsalltag einen Perspektivwechsel in der Migrationsberichterstattung zusätzlich erschweren. Die Ausbildung kann diese Faktoren kaum nivellieren. Im Journalismus ist also die Vielfalt der postmigrantischen Gesellschaft noch nicht angekommen.

Abb. 2: Auch heute bestehen Redaktionen noch mehrheitlich aus weißen Männern. Quelle

Und welchen Einfluss hat struktureller Rassismus auf die Berichterstattung?

Christine Horz-Ishak

Struktureller Rassismus ist eng mit der Berichterstattung verwoben. Beispielhaft dafür stehen Ausgrenzungspraxen auf der redaktionellen Ebene. Zudem sind systemische Bedingungen des Journalismus mitverantwortlich zu machen, wie Betriebsnormen und Blattlinien, aber auch Marktlogiken, Ressourcenknappheit sowie starker Anpassungsdruck durch die Digitalisierung. Dies führt letztlich zur Einschränkung individueller Freiheiten der einzelnen Journalist*innen, die sich daraufhin häufig gegenseitig zitieren, weil es Zeit spart. Auch die Orientierung an journalistischen Arbeitsroutinen in den Redaktionen und an Nachrichtenwerten, die zugespitzt als die „drei Ks“ (Krisen, Kriege und Konflikte) bezeichnet werden, wirkt sich auf die produzierten Inhalte aus.

Zwischenfazit: Auch wenn Journalist*innen wirklich professionell arbeiten, wirken Werte und Einstellungsmuster unbewusst und überparteilich. Diskriminierende Berichterstattung spiegelt möglicherweise tiefer liegende kulturelle Muster wider – denn der Rassismus gehört zu Deutschland, wie Mark Terkessidis es einmal formulierte.

 

Wird im redaktionellen Alltag darüber reflektiert, ob Überschriften und journalistische Darstellungen diskriminierend sein oder als rassistisch wahrgenommen werden könnten?

Christine Horz-Ishak

Das müsste systematisch untersucht werden. Wie die zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu diskriminierenden Medieninhalten aber offenbaren, findet diese Auseinandersetzung in den Redaktionen selbst offenbar nicht umfassend und nachhaltig genug statt. Dies ist zum einen deshalb verwunderlich, weil Branchendienste wie der Mediendienst Integration Informationsmaterialien und Handreichungen für Journalist*innen und Interessierte über gesellschaftliche Minderheiten wie Muslime, Geflüchtete sowie Sinti*zze und Rom*nja im Internet zusammenstellen. Es gäbe also niedrigschwelliges Hintergrundmaterial, um solche Debatten wissensbasiert zu führen.

Dass dies nicht ausreichend geschieht, führt zur Frage, wie sich Medienhäuser eigentlich ihre Zukunft in einer pluralistischen Gesellschaft vorstellen. In Großstädten wie Frankfurt am Main haben etwa 50% der Bewohner*innen und schon 70% der Neugeborenen eine Migrationsgeschichte. Wer sollen künftig die Leser*innen und Zuschauer*innen der medialen Angebote sein, wenn sich eine wachsende Zahl davon nicht angesprochen oder gar abgeschreckt fühlt? Was bedeutet es für ein demokratisches Gemeinwesen, wenn sie sich anderweitig informieren und womöglich dadurch etablierte Qualitätsmedien ihre Legitimität verlieren?

Zumindest lässt sich konstatieren, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, Diskussion über diskriminierende oder rassistische Sendetitel oder Inhalte in den Redaktionen zu führen, wenn deutlich mehr Kolleg*innen mit Diskriminierungserfahrungen oder vielfältigen Communitys gleichberechtigter Teil der Redaktion sind. Ihre Perspektiven auf ein Thema sind mitunter andere als diejenigen der Standarddeutschen.

 

Gibt es Bemühungen seitens der Medienhäuser, sich diesen Entwicklungen anzupassen und pluralistischer zu werden?

Christine Horz-Ishak

Die Verantwortung des Journalismus in der (post-)migrantischen und pluralistischen Gesellschaft spielt eine enorme Rolle. Der Hessische Rundfunk hat diese Verantwortung offensichtlich erkannt: Seine jüngste Ausschreibung für Volontär*innen ist mit „Journalist*innen der Zukunft gesucht!“ betitelt. In einem Kurzvideo wirbt ein junger Schwarzer Journalist um „kreative Köpfe mit den unterschiedlichsten Biografien und Lebenserfahrungen“. Der öffentlich-rechtliche Sender ist damit nicht allein, auch der SWR sowie der WDR fahren ähnliche Rekrutierungskampagnen. Diese Entwicklung ist sicher überfällig, um Chancengleichheit im Mediensektor herzustellen.

Wichtig ist vor allem, dass nachhaltige Diversitätskonzepte in den Medienhäusern etabliert werden, die Zielmarken und Zeitrahmen vorgeben, sich an alle Abteilungen richten und nach einer gewissen Zeit evaluiert werden. Der SWR hat diese Richtung bereits eingeschlagen, denn er will mittelfristig ein Viertel der Journalist*innen mit vielfältigen Biografien besetzen – entsprechend dem Anteil der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte.

 

Ist das nicht auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?

Christine Horz-Ishak

Auch die Gesellschaft als Ganzes ist gefordert, eine ernsthafte Debatte über die „Ethik des Teilens“ in der digitalen Kommunikation zu führen – denn noch werden polarisierende und menschenverachtende Kommentare im Internet deutlich häufiger geteilt als andere. Eine „kommunikative Ethik“ muss jedoch erst erlernt werden, denn wer weiß schon, dass es genau dem Geschäftsmodell der Plattformanbieter entspricht, wenn sich Debatten polarisieren, weil damit mehr Klicks erzeugt werden, die wiederum für Werbekunden attraktiv sind. Medienkompetenz sollte deshalb bereits in der Schule vermittelt werden, neben der effektiveren Strafverfolgung von Hass im Netz.

Abb. 3: Eine „kommunikative Ethik“ zu erlernen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Quelle

 

Und welche Systemzwänge bleiben eventuell trotz Bemühungen?

Christine Horz-Ishak

Ob neue journalistische Entwicklungen wie der konstruktive Journalismus, der stärker auf Hintergrundberichterstattung und eine ganzheitliche Perspektive zielt, sich langfristig durchsetzen werden, ist keinesfalls sicher, auch wenn DIE ZEIT und andere Medien bereits damit arbeiten. Zumindest hat er das Potenzial, erweiterte Sichtweisen in den Diskurs zu bringen. Wahrscheinlich werden aber dem Journalismus eingeschriebene Logiken wie die Orientierung an Nachrichtenwerten und damit an Krisen und aktuellen Ereignissen nicht verschwinden. Was Politiker*innen von sich geben, liegt zwar kaum im Einflussbereich der Medien, doch es gehört zu ihrem Kerngeschäft, darüber zu berichten, ob einordnend oder faktisch.

Die Algorithmisierung des Journalismus – von KI-generierten Inhalten (heute schon in Sport- oder Wetterberichten zu finden), der Echtzeitmessung des User*innenverhaltens bis hin zum Clickbaiting (aufmerksamkeitsheischende Überschriften) – begünstigt potenziell einen Journalismus, der sich zunehmend an Netzdebatten und Rezipient*inneninteressen orientiert. Positive Entwicklungen, wie die Nutzer*inneninklusion, stehen dabei negativen gegenüber, wie der Ausrichtung an reinen Marktlogiken.

Angesichts der Tatsache, dass ein wichtiges Recherchetool der Journalist*innen, das Internet, aufgrund der Algorithmen ebenfalls tendenziell diskriminierend wirkt, stellt sich die Frage, ob diskriminierende Medieninhalte eher noch zunehmen werden – oder ob es gelingt, dieser Entwicklung durch Gesetze und Aufklärung entgegenzutreten. Den beitragsfinanzierten Sendern ARD und ZDF kommt hier sicher eine Vorreiter*innenrolle zu, auch aufgrund ihres verfassungsmäßigen Auftrags, die Allgemeinheit (und damit auch beitragszahlende Minderheiten) medial zu versorgen.

Abb. 4: KI-generierte Inhalte findet man bisher vor allem im Sportjournalismus und bei Wetterberichten.  Quelle

Wie können Journalist*innen gegen diese Entwicklungen vorgehen?

Christine Horz-Ishak

Die Rolle der Journalist*innen dabei ist eine entscheidende: Sie sind weniger Gatekeeper, denn Gatewatcher – sie ordnen stärker ein, statt Agenden zu setzen. Ihre Funktion sollte es sein, Mediennutzende dabei zu unterstützen, Fakten von Fakes zu unterscheiden, Diskriminierung entgegenzutreten und gegebenenfalls auch Haltung zu zeigen – ja, auch entgegen der häufig vorgetragenen Meinung, sie hätte im Journalismus nichts zu suchen.

 

Was empfehlen Sie Journalist*innen und Pädagog*innen, um besser mit berechtigter und vermeintlicher Medienkritik umzugehen?

Christine Horz-Ishak

Journalist*innen sollten nicht nur Empfehlungen geben, sondern häufiger vermitteln, was sie tun, und ihre Arbeitsweise erläutern. Sie müssten dabei auch über Systemzwänge sprechen, um der weit verbreiteten Unwissenheit über die Funktionsweisen des Journalismus selbst etwas entgegenzusetzen. Vor allem sollten sie deutlich machen, dass Journalismus als Profession, der meist eine institutionalisierte Ausbildung vorausgeht, redaktionellen Qualitätsregeln wie dem Vier-Augen-Prinzip gehorcht. Das heißt, dass meistens mehr als eine Person die Inhalte überprüfen. Das unterscheidet ihn von nicht-journalistischen Meinungen. Erste Projekte wie „Journalismus macht Schule“ weisen in die richtige Richtung. Sie helfen dabei, Jugendliche mit den Funktionen und Aufgaben des Journalismus vertraut zu machen und dazu zu befähigen, berechtigte Kritik vorzubringen, wo es notwendig ist.

Pädagog*innen sollten sich also auch dafür einsetzen, dass Medienbildung, jenseits des Bewahransatzes, ihren Platz in den Curricula findet.

Einzelnachweise

  1. WDR (2021): Die letzte Instanz. Meinungstalk mit Steffen Hallaschka. Folge 8. https://www.youtube.com/watch?v=v32zQTd7JwA [Zugriff: 10.09.2021] Zurückspringen
  2. https://www.youtube.com/watch?v=r45_9wvbDoA [Zugriff: 10.09.2021] Zurückspringen
  3. https://www.deutschlandfunk.de/studien-mehrfach-missinterpretiert-deutsche-medien-nicht.2907.de.html?dram:article_id=468974 [Zugriff: 15.11.2021] Zurückspringen
  4. Schulz, Winfried/Berens, Harald/Zeh, Reimar (1998). Der Kampf um Castor in den Medien. Konfliktbewertung, Nachrichtenresonanz und journalistische Qualität. München: Fischer. Zurückspringen
  5. Neue Deutsche Medienmacher*innen e.V. (2020) (Hrsg.): Viel Wille, kein Weg. Diversity im deutschen Journalismus. Berlin. https://neuemedienmacher.de/fileadmin/dateien/PDF_Borschueren-Infomaterial-Flyer/20200509_NdM_Bericht_Diversity_im_Journalismus.pdf [25.05.2020] Zurückspringen