Grundlagen der Genderreflektierten Präventionsarbeit

 

Grundlagen der Genderreflektierten Präventionsarbeit[1]

Präventionsansätze, die genderreflektiert angelegt sind, hinterfragen starre binäre Geschlechterrol-lenvorstellungen und vermitteln den Heranwachsenden ein Verständnis für die real bestehende Vielfältigkeit von Menschen mit unterschiedlichen geschlechtlichen und sexuellen Identitäten.

Jeder Jugend(kultur)workshop kann so angelegt sein, dass er ein kritisches Bewusstsein über die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen sowie von Personen, die sich nicht binär zuordnen, vermittelt. Das kann in unterschiedlichen Settings geschehen:

Genderreflektierte Koedukation

In gemischtgeschlechtlichen Gruppen geht es darum, miteinander über stereotype Geschlechterrollen zu sprechen („Jungen sind so!”, „Mädchen sind so!”) und Ungleichwertigkeitsvorstellungen und Hierarchien abzubauen. Anhand der unmittelbaren Erfahrungen der Jugendlichen werden gesellschaftliche Normen bzgl. Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse diskutiert. Dürfen Mädchen*[2] dasselbe wie ihre Brüder, haben sie dieselben Aufgaben in der Familie, dürfen sie abends genauso lange wegbleiben? Wie sieht es im täglichen Miteinander aus? Behandeln Lehrer*innen weiblich gelesene Schülerinnen* anders als männlich gelesene Schüler*?

Geschlechtsspezifische Mädchen*arbeit

Geschlechtsspezifische Mädchen*arbeit bietet Schutzräume, um Mädchen*, begleitet von Pädagog*innen, in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, eventuelle Benachteiligungen abzubauen, aber ggf. auch an Veränderungsbedarfen zu arbeiten. Dabei kann es sich zum Beispiel um erlebnispädagogische Angebote für Mädchen* in gemeinhin von Jungen* bzw. Männern* dominierten Betätigungsfeldern, wie Bandworkshops, Fußball, Rap, Breakdance, Skateboarding, von und für Mädchen* handeln oder um problem- bzw. lösungsorientierte Angebote, die sich mit mädchen*spezifischen Gefährdungslagen (öffentlicher Raum, sexuelle Gewalt) und Benachteiligungen („Mein Bruder darf viel mehr als ich”) auseinandersetzen.

Geschlechtsspezifische Jungen*arbeit für eine kritische Männlichkeit

Gesellschaftlich oder medial repräsentierte eindimensionale Männlichkeitsvorstellungen werden hinterfragt. Alternative Rollenvorbilder werden bewusst in die Jugendarbeit eingebracht und Jungen* darin gestärkt, Identitäten zu entwickeln, die z.B. nicht vorwiegend auf physischer Stärke, Durchsetzungskraft, Sport, Wettbewerb oder Heterosexualität beruhen. Auch „typische“ Jugendkulturangebote für Jungen* wie Kampfsport oder Fanszenen lassen sich gut mit dem Thema „kritische Männlichkeit“ verbinden.

Cross-Work-Ansätze

Pädagoginnen* werden bewusst in Jungen*gruppen und Pädagogen* in Mädchen*gruppen eingesetzt. Hierbei geht es darum, Geschlechterrollenbilder in Bewegung zu setzen und neue Erfahrungen im sozialen Umgang mit dem „Gegengeschlecht“ zu ermöglichen, z. B. als Workshop-Leiterin* im Fußball-, Skateboarding- oder Heavy-Metal-Band-Workshop oder als Leiterin* eines erlebnispädagogischen Outdoor-Trainingscamps mit Jungen* oder aber als Workshop-Leiter* beim Tanzen, Kochen, Dichten oder Backen.