Reflexionsräume schaffen

Schulische und außerschulische politische Bildung kann Räume für die Artikulation von politischen Themen bieten, in denen Jugendliche ihre Perspektive auf für sie relevante gesellschaftliche und politische Frage- und Problemstellungen einbringen. Die Herausforderung für Pädagog*innen liegt darin, die Perspektiven von Jugendlichen nicht vorschnell zu werten oder sie zu unterweisen. Dies kann besonders dann schwerfallen, wenn die geäußerten Meinungen mit den eigenen Wertvorstellungen nicht übereinstimmen.

So können Jugendliche mitunter Positionen wiederholen, die denen aus Kapitel 3 ähneln. Das auszuhalten ist nicht immer einfach. Ziel ist es deswegen, ein pädagogisches Setting zu schaffen, in dem solche Gedanken und Überzeugungen in ihrer Problematik besprochen und bewusst gemacht werden können. Wichtig ist es, den lebensweltlichen Bezug der Äußerungen der Jugendlichen gemeinsam mit ihnen herauszuarbeiten. Ausgehend davon lassen sich unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten diskutieren, wobei die Jugendlichen selbst angeregt werden sollten, miteinander in den Austausch zu treten. Pädagog*innen müssen dabei keine Meinung zu allen Themen haben. Sie können aber durch Nachfragen irritieren und auf verschiedene Perspektiven hinweisen. Dabei ist es wichtig, problematische Äußerungen – wie rassistische, sexistische, antisemitische, homophobe, antiziganistische und demokratiefeindliche – auch als solche zu benennen.

Bei der Vorbereitung und Durchführung eines solchen Settings gilt es, auf verschiedene Punkte zu achten: Gibt es einzelne Schüler*innen in der Gruppe, die durch die Äußerungen verletzt werden können? Kann man selbst Haltung zeigen, sich gegen Ungleichheitsideologien positionieren, aber dennoch Gespräche zulassen? Sind diese Fragen geklärt, kann ein solches Setting dazu dienen, von den Jugendlichen vertretene problematische Deutungen infrage zu stellen und verschiedene Perspektiven sichtbar zu machen.

Begleitmaterial