Ausweitungen der Informationsräume

Sich in digitalen Informationsräumen die Zeit zu vertreiben, war für viele Interviewte wichtig. Dabei ging es um Gaming oder Animes, aber auch um vermeintlich sachlichere Themen wie Politik. Beispielhaft angeführt werden soll Mario9, männlich, 21 Jahre. Er hat nach der Mittleren Reife die Schule verlassen. Zum Zeitpunkt unseres Interviews machte er keine Ausbildung und ging keiner bezahlten Arbeit nach.  

Abb. 1, Informationsraum Gaming, Mario, 21 Jahre, männlich 

Er wohnte in einer eigenen Wohnung im Haus seiner Eltern. Gaming und Zeit im Jugendtreff nahmen einen wichtigen Teil seines Alltags ein. Im Interview unterhielten wir uns unter anderem darüber, wie sein Informationsraum in Bezug auf Gaming aussah (vgl. Abb. 1).10  

„Meistens mache ich nach dem Aufstehen meistens erst ein bisschen Sport oder sonst was. Und dann setze ich mich meistens an meinen PC und gucke halt erst mal auf YouTube, ob da irgendwas Krasses passiert ist. Das kriegt man dann meistens mit“ (Mario, 20:29ff.). 

Bei diesem ersten Browsen kommt Mario in Kontakt mit unterschiedlichen Informationen. Dass Russland die Ukraine angriffen hat, sah er z. B. auf diese Weise das erste Mal. Neben unterschiedlichen Informationen ist auf der YouTube-Oberfläche aber auch das Thema Gaming präsent und wenn nicht, dann sucht Mario gezielt danach: 

„Man bekommt tatsächlich ziemlich viel einfach vorgeschlagen, direkt von dem, was man am meisten schaut. Oder ich gucke mal nach dem, was mich interessiert. Wenn ich zum Beispiel von League of Legends wissen will, wie die Ergebnisse der neuesten Pro-Player-Teams sind, dann suche ich halt danach, schaue mal an, wie der Tag abgelaufen ist oder so, was da passiert ist, ob irgendwas passiert ist“ (Mario, 21:59ff.).  

Parallel dazu verbindet sich Mario über Discord mit seinen Freund*innen, für die Gaming auch ein wichtiges Thema ist. Discord nutzt er meistens über den PC, für den Kontakt mit seinen Freund*innen gibt es eine eigene Gruppe. Nicht alle seinen engsten Freund*innen wohnen vor Ort, einer wohnt seit Jahren in Norddeutschland. Kontakt halten sie über Discord, eine Online-Plattform, die vor allem für Sprachchats und Videostreaming genutzt wird (Jekta 2023). Freunde, YouTube und Discord, das ist Marios „heiliges Trio“, wenn es ums Thema Gaming geht.11 

Mario: „Ich würde die [Freund*innen, Discord, YouTube] einfach direkt in den inneren Kreis hier packen. So, das heilige Trio von den dreien.“ 

Interviewer: „Das heilige Trio. Was ist das heilige Trio?“ 

Mario: „Ja, Discord und Freunde mit YouTube zusammen. Keine Ahnung. Das ist schon, womit ich die meiste Zeit verbringe. Hier so mit den drei Sachen“ (Mario, 26:28ff). 

Im Zentrum von Marios Informationsraum zum Thema Gaming stehen seine Freund*innen. Diese sind jedoch nur teil- und zeitweise offline verfügbar. Diese Beschränkungen verringert er, indem er seinen Informationsraum online erweitert. Gemeinsam schaut er mit ihnen dann Videos über YouTube, sie spielen League of Legends oder tauschen sich (unter anderem) zum Thema Gaming aus. Dafür ist er Teil von zwei Gruppen. Eine Gruppe besteht hauptsächlich aus engen Freund*innen und Bekannten. Die andere umfasst eine größere Anzahl von Personen, die sich teilweise auch aus anderen Ländern einwählen. Kontakt zu diesen Personen bekommt Mario über die Chatfunktion in Spielen wie League of Legends. Auf diese Weise erweitert er gezielt den Kreis der Personen, mit denen er sich über sein Hobby austauschen kann. Die weiteren Medien in seinem Informationsraum zu Gaming nutzt er, um gezielt nach Informationen zu suchen. Teilweise bringt er diese im Kontext des „heiligen Trios“ ein und sucht Anschlusskommunikation. Sein Bruder ist außerhalb des inneren Kreises, mit ihm tauscht er sich aber dennoch häufig über Gaming aus. Seine Eltern stehen noch weiter draußen. Hier gibt es wenig Austausch zu Gaming, manchmal kommen Mario und sie aber dennoch auch zum Thema Gaming ins Gespräch. Das geschieht auch über Anschlusskommunikation zu medialen Inhalten, wie zum Beispiel in der ARD.