Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Beobachtung, dass sich die mediale Öffentlichkeit in den letzten zwei Jahrzehnten stark pluralisiert hat. Lange Zeit war es der sogenannte Qualitätsjournalismus, der die Verhandlung gesellschaftspolitisch relevanter Themen in der nationalen Öffentlichkeit prägte. Er setzte die Themen, erreichte eine große Zahl an Entscheidungsträger*innen und hatte eine wichtige Kritik- und Kontrollfunktion. Dafür orientiert sich Qualitätsjournalismus an Kriterien wie Relevanz, Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit oder Rechercheleistung (Lünenborg 2012, S. 4f.). Durch die Zunahme nicht-journalistischer Inhalte in den persönlichen Öffentlichkeiten vieler junger Menschen wird Orientierung jedoch herausfordernder. Journalistische und nicht-journalistische Inhalte unterscheiden sich in Bezug auf ihre Machart, die Ziele ihrer Absender*innen und ihre Funktion in der Nutzung. Es ist für viele junge Menschen nicht einfach, die unterschiedlichen Inhalte, die sich besonders in gesellschaftspolitischen Themenbereichen auch häufig aufeinander beziehen, in Bezug auf ihre Qualität und Wahrhaftigkeit einzuschätzen und zu bewerten.  

Diese Herausforderung beschrieb auch Clara, 24 Jahre, weiblich, Studentin, während eines Interviews im Rahmen der Datenerhebung. In ihrem Interview legte sie einen Schwerpunkt darauf, inwiefern Inhalte in sozialen Medien für die Identitätsfindung junger Menschen wichtig sind, und sprach dabei auch über irreführende und desinformative Inhalte. Sie sagte, dass … 

„aufgrund von Social Media man noch viel mehr Türen auf hat und teilweise überfordert ist mit der Breite des Angebots, die man irgendwie tagtäglich bekommt. Dass man irgendwie Schwierigkeiten hat, sich so selber zu finden und von überall beeinflusst wird und gar nicht mehr richtig weiß, wer bin ich jetzt selber und was ist jetzt durch TikTok beispielsweise entstanden“ (Clara, 04:57).  

Dieses Kapitel behandelt im Schwerpunkt Forschungsfragen aus dem zweiten Fragenbereich, der einen Fokus auf den Umgang mit Informationen legt (vgl. Kap. 2). Dafür werden drei Schwerpunkte gesetzt. Anfänglich geht es darum, wie sich junge Menschen informieren (5.1). Anschließend wird ein Fokus darauf gelegt, anhand welcher Kriterien junge Menschen für sie relevante Informationen bewerten (5.2). Der dritte Abschnitt behandelt, wie junge Menschen im Rahmen ihres Informationshandelns zwischen verschiedenen Plattformen navigieren (5.3).