Als Desinformation werden falsche Informationen bezeichnet, wenn sie mit dem Ziel der Täuschung verbreitet werden, um anderen Personen, sozialen Gruppen, Organisationen oder Ländern zu schaden (Wardle/Derakhsan 2017, S. 5). 56 Prozent der 12- bis 19-Jährigen gaben 2022 an, dass ihnen im letzten Monat Desinformationen (abgefragt als ‚Fake News‘) begegnet sind (Feierabend et al. 2022, S. 54). Auch die meisten jungen Menschen, mit denen wir Interviews führten, gaben an, Desinformationen (im Interviews zumeist ‚Fake News‘) bereits begegnet zu sein. Wenn wir danach fragten, welchen Desinformationen sie konkret begegnet seien, kamen meistens Beispiele, die sich auf politische Großereignisse bezogen und auch massenmedial stark behandelt wurden, wie zum Beispiel Desinformationen über Gesundheitsmaßnahmen in der Coronakrise oder über den russischen Angriff auf die Ukraine. Kaum ein interviewter junger Mensch erzählte jedoch, dass er die für ihn verdächtigen Informationen selbstständig überprüft hätte. Statt eine Information selbst durch Recherchen zu überprüfen, bewerteten die meisten Jugendlichen Information ad hoc auf Basis ihres Vorwissen oder – noch öfter – sie beschäftigten sich einfach nicht mit Informationen, bei denen sie Zweifel hatten. Wie dies in ihrem Informationshandeln im Detail aussieht, wird in Kapitel 6.1 behandelt. Kapitel 6.2 stellt im Anschluss dar, wie die Interviewten mit Desinformationen umgingen, die sie erkannt hatten. Kapitel 6.3 argumentiert auf Basis der vorhandenen Daten, dass ein Fokus auf Desinformation die Bedarfe von Jugendlichen nicht voll erfasst, sondern dass auch Propaganda und Stimmungsmache in die medienpädagogische Arbeit zum Informationshandeln mitaufgenommen werden sollten.